Betty Hensel
Das Lächeln am Fuße der Leiter

 

SZENE 8

       
 


1H

Nach dem Roman DAS LÄCHELN AM FUßE DER LEITER von Henry Miller

Interessensbekundung durch Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg

 

AUGUST  "Antoine!"

ANTOINE  öffnet langsam die Augen und starrt in Augusts Gesicht, als ob er einem Doppelgänger begegnet.

AUGUST  "Ich bin´s, August."

ANTOINE  "Ich weiß, Du bist´s. Aber ich könnte es auch sein. Keiner merkt den Unterschied. Und Du bist ein Großer, ich war nur irgendwer."

AUGUST  "Vor wenigen Augenblicken habe ich genau dasselbe gedacht. Merkwürdig, nicht? Ein bisschen Schmiere ins Gesicht, ein Lumpengewand, wie wenig man doch braucht um … nichts aus sich zu machen. Genau das sind wir alle einmal gewesen: nichts.

 

Sie applaudieren nicht uns, sie applaudieren sich selbst. Aber Du selbst zu sein, nur Du selbst, das ist eine große Sache. Wie macht man das?
Nun, das ist wohl das Schwerste von allen, weil es keinerlei Anstrengung von uns verlangt. Du versuchst weder dies zu sein, noch das, weder groß noch klein, nicht tüchtig und nicht ungeschickt… Verstehst Du? Du tust, was Dir gerade einfällt, aber mit Anstand und Achtsamkeit! Denn nichts ist unwichtig. Nichts! Statt Gelächter und Applaus empfängst Du Lächeln. Ein kleines zufriedenes Lächeln - das ist alles.
Du verrichtest die Dreckarbeit und nimmst sie den anderen von der Schulter. Das macht sie glücklich, aber Dich selbst noch viel mehr, begreifst Du?